Gott ist uns so nah. Alles, was da ist,
hat sein Dasein durch sein Wirken
und in seiner Gegenwart.
Titus Brandsma (1881-1942)

Spirituelles Kapitel vom 5. – 9. Juni 2017 in Springiersbach

Teilnehmer des Spirituellen Kapitels

„Engagierte Mysik – Titus Brandsma aus dem Blickwinkel des 21. Jahrhunderts“ war das Leitthema des Spirituellen Kapitels, das in der Pfingstwoche im Exerzitienhaus des Ordens in Springiersbach stattfand. 42 Karmeliten und Karmelitinnen aus dem Ersten und dem Dritten Orden kamen zusammen, um sich mit Leben und Wirken des Patrons der Deutschen Provinz auseinanderzusetzen. Er starb von 75 Jahren am 26. Juni 1942 im KZ Dachau an den Qualen der KZ-Haft.

1.Titus Brandsma – der Gottesbegriff
Den 1. Tag gestaltete Elisabeth Hense T.OCarm, die in ihrem einleitenden Vortrag Leben und Tod von Titus Brandsma historisch-phänomenologisch nachzeichnete und das Martyrium hermeneutisch-theologisch ausdeutete. Zum Abschluss unterbreitete sie als Diskussionsgrundlage einen Vorschlag, wie wir aus den Erfahrungen von Titus Brandsma lernen können für eine Mystagogie wahrhaft christlichen Lebens in unserer Zeit.
Vor diesem Hintergrund befassten sich die Teilnehmer in Kleingruppen mit der berühmten Dies-Rede von Titus Brandsma, in der dieser über den Gottesbegriff in seiner historischen Dimension nachdachte (Godsbegrip. Nijmegen 1932). Das Gottesbild seiner Lebenszeit bezeichnete Titus Brandsma als pragmatisch-intuitiv. Es trägt nach seiner eigenen Charakterisierung viele Spuren der vergangen Gottesbilder in sich, zeichnet sich aber vor allem dadurch aus, dass Gott nun zum tiefsten Grund des menschlichen Wesens wird, geheimnisvoll verborgen ist in der menschlichen Natur. Die göttliche Liebe muss Brandsma zufolge heute in der menschlichen Liebe sichtbar gemacht werden, um die Zeitgenossen ansprechen und überzeugen zu können – so wie er es selbst vorlebte.

2.Titus Brandsma als Märtyrer
Der 2. Tag war dem Bericht über die fünfwöchige Leidenszeit Titus Brandsmas im KZ Dachau gewidmet, den sein Mitbruder Raphael Tijhuis aus eigenem Miterleben verfasst hat. Fr. Andreas H. Scholten O.Carm. stellte den Zuhörern in seiner Lesung von Textcollagen das Leben und Sterben des Karmeliten und die Grausamkeiten der KZ-Bewacher vor Augen. In ihrer nüchternen und sachlichen Sprache berührten und erschütterten die Texte die Zuhörer zutiefst. Der geschundene P. Titus verlor trotz der tiefen Demütigungen, der Erniedrigungen, der Schläge und der unmenschlichen Behandlung durch die Nazi-Schergen auch in der Hölle von Dachau nicht seine eigene Menschlichkeit, sondern gab bis zuletzt den anderen Gefangenen Halt und schenkte ihnen Hoffnung. In seinem eigenen Verständnis der Christusnachfolge ging P. Titus „durch einen dunklen Tunnel auf den Kalvarienberg, von dem ihm das Licht entgegen leuchtete“.

3.Titus Brandsma – engagierte Mystik
Michael Plattig O.Carm. widmete seinen Beitrag dem Oberthema der Tagung, der Mystik Titus Brandsmas. Ausgehend von dem 1937 verfassten Artikel „Mystiek“ in De Katholieke Encyclopaedie (Teil 18, 1937) entfaltete er das Verständnis Titus Brandsmas von diesem zentralen Begriff der Spiritualität: „Mystik ist eine besondere Vereinigung Gottes mit dem Menschen, in der dieser sich der Gegenwart Gottes bewusst wird und sich auch seinerseits mit Gott vereinigt“. Von besonderem Interesse für die Zuhörer waren die Textpassagen, in denen Titus Brandsma bereits 1937 Gedanken des II. Vatikanums (Erklärung Nostra aetate, 1965) antizipierte und u.a. von der „mystischen Begnadung außerhalb der katholischen Kirche“ sprach.

4. Zum Nachlesen
Die Vorträge werden in Kürze veröffentlicht. Noch im Herbst 2017 erscheinen der Beitrag von Elisabeth Hense und die Übersetzung der Erinnerungen von Raphael Tijhuis an die gemeinsame Haftzeit im KZ Dachau in den Karmel Paperbacks: Raphael Tijhuis, Mir geht es gut. Bericht über das Leben und Sterben von P. Titus Brandsma O.Carm. im KZ Dachau. Übersetzt von Andreas H. Scholten. Mit Beiträgen von Elisabeth Hense und Martina Rommel. In Vorbereitung, Münster: Aschendorff 2017 (Karmel Paperbacks, Bd. 2). Der Vortrag von Michael Plattig wird im nächsten Jahr veröffentlicht als Einleitung zu der Anthologie mit Texten von Titus Brandsma: Engagierte Mystik. Ausgewählte Texte von Titus Brandsma. Herausgegeben und übersetzt von Elisabeth Hense. Mit einer Einleitung von Michael Plattig. In Vorbereitung, Münster: Aschendorff 2018 (Karmel Paperbacks, Bd. 3).

Edeltraud Klueting T.OCarm.

Fotogalerie: Spirituelles Kapitel 2017


« zurück

Online-Spenden

Wir benötigen Ihre Hilfe und Unterstützung:

Unsere Wunschliste

Angebote

Exerzitienhaus Carmel Springiersbach
aktuelles Kursprogramm

Seelsorge und geistliche Begleitung
Weitere Infos und Kontakte

Klosterläden
Adressen und Sortiment

Kontakt

Deutsche Provinz der Karmeliten
Karmelitenplatz 1
96049 Bamberg

Tel. 0 951 / 50 98 66 - 0
Fax 0 951 / 50 98 66 - 29
[javascript protected email address]

Weitere Kontaktadressen
Provinzleitung
Noviziat
Impressum
Missbrauchsbeauftragte


© 2012-2014 Deutsche Provinz der Karmeliten – Konzeption und CMS: Weitblick Internetwerkstatt – Design: Ari Gröbke
  • Schönheit

    Dieser Film-Ausschnitt aus „American Beauty“ bietet einen etwas ungewöhnlichen Zugang zu dem, wo Spiritualität und Kontemplation ansetzen:
    Einübung in eine wache und aufmerksame Wahrnehmung dessen, was jeweils geschieht, um in die tiefere Dimension jeder Begegnung und jedes Ereignisses durchzudringen bis hinein in ihren göttlichen Grund.