Gott ist uns so nah. Alles, was da ist,
hat sein Dasein durch sein Wirken
und in seiner Gegenwart.
Titus Brandsma (1881-1942)

Karmeliten der Deutschen Provinz nehmen Abschied von Straubing

Seit Monaten geht in Straubing die Angst um, das Karmelitenkloster, das seit Jahrhunderten das Stadtbild und die Stadtgeschichte entscheidend mitprägt, könnte bald verwaist sein. Schnell wurde eine Rettungsaktion gestartet und besorgte Bürgerinnen und Bürger haben sich an die Ordensleitung in Bamberg gewandt und sich durch ihre Unterschrift für den Erhalt des Klosters und den Verbleib des Konvents in Straubing eingesetzt. Dies zeigt sehr deutlich das Dilemma, in dem wir alle miteinander stecken: Uns stehen schlichtweg keine Brüder zur Verfügung, die verantwortlich all dies weiterführen könnten, was wir Karmeliten in all den Jahrhunderten dort aufgebaut haben. Zuletzt waren noch zwei Brüder der Deutschen Provinz – Pater Englmar Reiner und Frater Josef Reidelstürz – vor Ort. Wir sind uns bewusst, dass die Präsenz der beiden Brüder und ihre Dienste in Straubing und Umgebung sehr geschätzt sind. Alle unsere Mitbrüder haben durch ihre je persönliche Art dazu beigetragen, dass unser Kloster in der Öffentlichkeit immer in einem guten Licht stand. Jeder unserer Mitbrüder, der in den vergangenen Jahrzehnten im Straubinger Konvent war, weiß um die finanzielle Unterstützung und das Wohlwollen der Straubinger Bevölkerung für die Karmeliten. Genauso klar sieht aber auch jeder von uns, dass es aufgrund unserer demografischen Entwicklung und unserer personellen Situation inzwischen leider nicht mehr möglich ist, den Konvent in der Erfüllung seiner Aufgaben mit einer ausreichenden Anzahl an Mitbrüdern verantwortbar weiterzuführen.

Für dieses Dilemma haben wir schlichtweg keine Lösung, die allen Wünschen gerecht wird. Wohl aber haben wir uns um eine Lösung bemüht, dass karmelitanische Spiritualität auch nach 648 Jahren in Straubing fortgeführt wird. Wir danken deshalb der indischen St. Thomas-Provinz ganz herzlich für die Bereitschaft, drei indische Brüder nach Straubing zu entsenden, um dort einen kleinen Konvent zu bilden und in der Seelsorge an unserer Klosterkirche und in der Stadt Straubing tätig zu sein. Wir sehen dies auch als ein Zeichen der Unterstützung, das nun die „Mutter“ von der „Tochter“ erfährt, da die indische St. Thomas Provinz aus der ehemaligen Oberdeutschen Karmelitenprovinz hervorgegangen ist. Deshalb ein herzliches Vergelt’s Gott und ein herzliches Willkommen P. Jim, P. Anil und P. Paul, die zum einen als Karmeliten an die jahrhundertelange karmelitanische Tradition in Straubing anknüpfen und zum andern als junge Gemeinschaft aus einem anderen kulturellen Kontext ihre eigenen Akzente setzen werden. Meine Bitte an alle Straubinger ist deshalb, die indischen Patres herzlich aufzunehmen und sie in ihrem Dienst zu unterstützen.

Für uns Karmeliten der Deutschen Provinz heißt es allerdings Abschied zu nehmen nach ununterbrochener 648-jähriger Präsenz. Jeder Abschied tut weh. Dennoch sehen wir uns im Kontext der strukturellen Zukunftsüberlegungen innerhalb unserer nun gesamtdeutschen Provinz und aus Verantwortung für unsere Brüder zu diesem schmerzlichen Schritt gezwungen. Mir ist bewusst, dass auch diese Entscheidung bei vielen Menschen Enttäuschung auslösen wird, vielleicht auch Unverständnis und Verärgerung. Auch für uns in der Provinzleitung sind solche Entscheidungen nach Abwägung aller Argumente sehr schmerzvoll. Ich kann da alle Straubinger nur sehr ehrlich um ihr Verständnis bitten.

Wir Karmeliten sind beeindruckt und gerührt von den über 10.000 Unterschriften, die ihren Rückhalt für unseren Straubinger Konvent zum Ausdruck bringen. Fast jeder 4. Straubinger wünscht demnach den Verbleib von uns Karmeliten an unserem fast 650 Jahre alten Standort. So ein Vertrauensbeweis! Und wir haben nicht die nötigen Karmelitenbrüder dafür – welch ein Dilemma!

Was die Immobilie anbelangt sind wir – wie bereits mehrfach im Straubinger Tagblatt berichtet – mit dem Freistaat Bayern in Verhandlungen, die sich auf einem guten Weg befinden. Selbstverständlich sind noch etliche Fragen offen, weshalb wir nach wie vor nur auf die laufenden guten Gespräche verweisen können, deren Ergebnissen wir nicht vorgreifen können. Dafür bitten wir um Verständnis.

Als Karmeliten der Deutschen Provinz danken wir allen Kirchen- und Gottesdienstbesuchern, Wohltätern und Freunden unseres Straubinger Klosters, allen Bürgerinnen und Bürgern, den Vertretern der Stadt, den Verbänden und Institutionen für ihr Wohlwollen uns gegenüber und für alle Hilfe und Unterstützung, die wir als Karmeliten all die Jahrhunderte hindurch erfahren durften. Diesen Dank wollen wir im Rahmen eines Dankgottesdienstes zum Ausdruck bringen, der am Samstag, dem 26. November 2016 um 15 Uhr in der Karmelitenkirche gefeiert wird, in dem die Seelsorge an der Straubinger Karmelitenkirche offiziell den indischen Mitbrüdern übergeben wird und wir Brüder der Deutschen Provinz uns verabschieden werden.


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  • Schönheit

    Dieser Film-Ausschnitt aus „American Beauty“ bietet einen etwas ungewöhnlichen Zugang zu dem, wo Spiritualität und Kontemplation ansetzen:
    Einübung in eine wache und aufmerksame Wahrnehmung dessen, was jeweils geschieht, um in die tiefere Dimension jeder Begegnung und jedes Ereignisses durchzudringen bis hinein in ihren göttlichen Grund.