Eine Weile nichts tun, nur absichtslos da sein,
heißt wach werden für die Sättigung Gottes.
Johannes vom Kreuz (1542-1592)

Geistliche Begleitung

Labyrinth

Geistliche Begleitung ist ein Angebot für alle Menschen, die in sich die Sehnsucht spüren, ihre persönliche Gottesbeziehung im Kontext ihres konkreten Lebens und ihrer einmaligen Biografie und Persönlichkeit zu vertiefen. Auf der Grundlage der biblischen Schriften und mit dem reichen Schatz der christlichen Spiritualität und Mystik unterstützt sie eine Person mit allem, was zu ihr gehört, darin, den eigenen, unverwechselbaren Weg mit Gott zu suchen und zu gehen, die geistliche Quelle im eigenen Innern zu finden und daraus Inspiration und Kraft zu schöpfen.

Geistliche Begleitung bietet somit einen Raum, sich der Gegenwart Gottes im eigenen Leben, so wie es sich bisher ereignet hat und wie es aktuell erfahren wird, klarer bewusst zu werden, damit sich das Wirken Seines Geistes immer ungehinderter entfalten kann. Dadurch will geistliche Begleitung dazu beitragen, dass Lebenswunden heilen, Glaubenskrisen als Wachstumschancen gesehen und ergriffen sowie Lebensfragen im Kontext des Glaubens betrachtet und bewältigt werden können. Auf diese Weise kann Geistliche Begleitung helfen, die persönliche Berufung deutlicher zu erspüren und entschiedener zu leben.

Wie geht geistliche Begleitung konkret?

Nach der ersten Kontaktaufnahme – telefonisch, per E-Mail oder persönlich vor Ort – findet zunächst ein Vorgespräch statt, in dem die Rahmenbedingungen zu vereinbaren sind und zugleich geklärt wird, ob sich der Begleiter und die Begleitung suchende Person aufeinander einlassen können. In der Regel finden dann im monatlichen Rhythmus Einzelgespräche statt, die auf einen längeren Zeitraum angelegt sind, um einen entsprechenden Wachstums- und Vertiefungsprozess zu ermöglichen.

Alles darf zur Sprache kommen und findet ein wohlwollend offenes Ohr – Vertraulichkeit und Verschwiegenheit ist deshalb eine selbstverständliche Voraussetzung. In gewissen Abständen wird der Begleitungsprozess ausgewertet und miteinander über eine Weiterführung oder eine Beendigung der Begleitungsbeziehung entschieden.

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  • Johannes vom Kreuz

    Johannes vom Kreuz (1542-1591) ist einer der großen Meister karmelitanischer Spiritualität.

    In seinen Werken beschreibt er den Prozess der Einswerdung mit Gott als einen Weg des Loslassens, der durch die dunkle Nacht unserer Zweifel und Ängste, unserer Selbstbehauptung und Egozentrik hindurch zur göttlichen Liebe führt – sie ist Sinn, Ziel und Erfüllung unserer menschlichen Sehnsucht.

    Die dunkle Nacht

    In einer dunklen Nacht
    von Sehnsucht getrieben, in Brand gesteckt von Liebe,
    - o glückliche Fügung! -
    entfloh ich, ohne bemerkt zu werden,
    als schon das Haus um mich in Stille lag,

    im Dunkeln, sichren Fußes
    über die geheime Leiter, tief ins Gewand gemummt,
    - o glückliche Fügung! -
    im Dunkeln und wachsam angespannt,
    als schon das Haus um mich in Stille lag,

    in jener glückseligen Nacht,
    heimlich, daß mich niemand sah
    - auch ich selbst nahm nichts wahr -,
    ohn’ andres Licht, den Weg zu leuchten,
    als das nur, das im Herzen brannte;

    das führte mich
    sichrer als das Licht der Tagesmitte
    dorthin, wo mich erwartete,
    um den so tief ich weiß,
    dorthin, wo niemand uns belauerte.

    O Nacht, die du den Weg geleuchtet!
    O Nacht, liebenswerter als das Morgendämmern!
    O Nacht, die du zusammenbrachtest
    den Geliebten und die geliebte
    in den Geliebten umgestaltete Geliebte!

    An meiner Brust, aufgeblüht zu neuem Leben,
    die nur für ihn sich aufbewahrte,
    da ruht’ er schlafend,
    und ich liebkoste ihn,
    und Zedern fächelten ihm Wind.

    Der Wind von den Zinnen her
    - als zärtlich er sein Haar durchwehte -
    mit seiner sanften Hand
    streifte meinen Hals,
    und alle meine Sinne schwanden.

    Ich blieb und ich vergaß mich,
    das Antlitz neigt’ ich über den Geliebten,
    alles um mich verlosch, ich ließ mich los,
    ließ los meine Sorgen,
    zwischen den Lilien war es vergessen.

    ( Johannes vom Kreuz)

    Übersetzung: Reinhard Körner