Eine Weile nichts tun, nur absichtslos da sein,
heißt wach werden für die Sättigung Gottes.
Johannes vom Kreuz (1542-1592)

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Psychosynthese-Seminar: Mein Ego, mein innerer Freund oder mein Gegner?

In der Welt der spirituellen Führung hat das Wort „Ego“ einen ganz anderen Klang als in der Psychotherapiewelt.
In der Bibel ist die Rede von Selbstverleugnung: das Ego soll verneint, überwunden werden, damit man das Leben gewinne. Eine Weisheit übrigens, die bei Christen unserer Zeit immer mehr Widerstand hervorruft. Ein Therapeut hat erst mal die Aufgabe, einer Person mit einem „schwachen Ego“ zu helfen mehr Selbstvertrauen und damit mehr „Ego“ zu gewinnen. In unserer säkularisierten Kultur steht das Ich zentral, und die Idealisierung der menschlichen Person führt mehr und mehr zu einer gefährlichen Individualisierung, zu einer Abgrenzung der eigenen Interessen auf Kosten des Mitmenschen.

Aber Spiritualität ist erst mal ein individueller Prozess: in der Bibel lädt Jesus immer wieder die einzelne Person ein, Ja zu sagen zu einer Begegnung mit Ihm. Trotzdem ist dieser Ruf gerade eine Einladung, die Grenzen zu durchbrechen, womit die eigene Person sich verschließt: der Samariter soll den verletzten Juden pflegen.

Wie kann man das Selbst so entfalten, dass es keine Spannung mehr gibt zwischen Eigeninteresse und Nächstenliebe? Nur wenn wir in unserer Kultur die Überzeugung preisgeben, dass das Individuum das Recht hat auf einer ungebremsten Individualisierung, werden wir imstande sein, eine menschenwürdige und liebevolle Gemeinschaft aufzubauen, wo Raum ist für jedes menschliche Wesen.

Mit Hilfe von Übungen und Modellen aus der Psychosynthese, mit Gesprächen, mit Kreativität und Tanz, mit Meditation und Liturgie werden wir versuchen, besser umzugehen mit der ewig menschlichen Spannung zwischen das Ego und die Gemeinschaft.

Begleitung: Peter van Gool sj.
Datum: Fr. 9. Februar 2018 10:00 Uhr - So. 11. Februar 2018 17:00 Uhr
Kosten: Kurs 100,00 € / Pension 129,00 €

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  • Johannes vom Kreuz

    Johannes vom Kreuz (1542-1591) ist einer der großen Meister karmelitanischer Spiritualität.

    In seinen Werken beschreibt er den Prozess der Einswerdung mit Gott als einen Weg des Loslassens, der durch die dunkle Nacht unserer Zweifel und Ängste, unserer Selbstbehauptung und Egozentrik hindurch zur göttlichen Liebe führt – sie ist Sinn, Ziel und Erfüllung unserer menschlichen Sehnsucht.

    Die dunkle Nacht

    In einer dunklen Nacht
    von Sehnsucht getrieben, in Brand gesteckt von Liebe,
    - o glückliche Fügung! -
    entfloh ich, ohne bemerkt zu werden,
    als schon das Haus um mich in Stille lag,

    im Dunkeln, sichren Fußes
    über die geheime Leiter, tief ins Gewand gemummt,
    - o glückliche Fügung! -
    im Dunkeln und wachsam angespannt,
    als schon das Haus um mich in Stille lag,

    in jener glückseligen Nacht,
    heimlich, daß mich niemand sah
    - auch ich selbst nahm nichts wahr -,
    ohn’ andres Licht, den Weg zu leuchten,
    als das nur, das im Herzen brannte;

    das führte mich
    sichrer als das Licht der Tagesmitte
    dorthin, wo mich erwartete,
    um den so tief ich weiß,
    dorthin, wo niemand uns belauerte.

    O Nacht, die du den Weg geleuchtet!
    O Nacht, liebenswerter als das Morgendämmern!
    O Nacht, die du zusammenbrachtest
    den Geliebten und die geliebte
    in den Geliebten umgestaltete Geliebte!

    An meiner Brust, aufgeblüht zu neuem Leben,
    die nur für ihn sich aufbewahrte,
    da ruht’ er schlafend,
    und ich liebkoste ihn,
    und Zedern fächelten ihm Wind.

    Der Wind von den Zinnen her
    - als zärtlich er sein Haar durchwehte -
    mit seiner sanften Hand
    streifte meinen Hals,
    und alle meine Sinne schwanden.

    Ich blieb und ich vergaß mich,
    das Antlitz neigt’ ich über den Geliebten,
    alles um mich verlosch, ich ließ mich los,
    ließ los meine Sorgen,
    zwischen den Lilien war es vergessen.

    ( Johannes vom Kreuz)

    Übersetzung: Reinhard Körner