Gott gibt ja oft in einem Augenblick mehr,
als wir in langer Zeit erringen können.
Teresa von Avila (1515-1582)

Die Regel des Karmel

Regel

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts verfasste der hl. Albert, Patriarch von Jerusalem, die Regel des Karmel. In wenigen kurzen Kapiteln legte er auf Bitte der ersten Brüder vom Karmel deren Lebensform nieder. Er wählte dafür die Form eines Briefes und unterstrich damit die dialogische Struktur der Lebensform. Auf einzigartige Weise vereinigte er eremitische und gemeinschaftlich-demokratische Werte und griff hauptsächlich auf die biblischen Schriften und die Spiritualität der Wüstenväter zurück.

Im Zentrum der Nachfolge Jesu im Karmel steht die beständige persönliche und gemeinsame Beschäftigung mit dem Wort Gottes, das das gesamte Leben des Karmeliten prägen und verwandeln soll: alles, was immer er tut, geschehe im Wort des Herrn.

Zentral in der Regel ist deshalb die Bedeutung der eigenen Zelle, die vordergründig den äußeren, vielmehr aber noch den im Inneren des Menschen befindlichen Ort der Begegnung mit Gott symbolisiert. Darüber hinaus ist die gemeinschaftliche Struktur der Brüder auf dem Karmel von folgenden Grundsätzen geprägt: Vorsteher der Gemeinschaft ist ein von den Brüdern selbst gewählter Prior, der im Geist des Dienstes die Gemeinschaft leiten soll. Gehorsam wird entsprechend verstanden als eine Haltung gegenseitiger Treue im Rahmen der frei gewählten Lebensweise und zugunsten des gemeinsamen Ziels. Wichtige Fragen des Gemeinschaftslebens werden in gegenseitigem Einverständnis geregelt und gemeinsam besprochen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Fehlen einer Unterscheidung von Priestern und Nicht-Priestern. Priestersein wird in keiner Weise erwähnt, noch wird es berücksichtigt. Insgesamt ist die Regel maßvoll, klug und menschenfreundlich; im Gegensatz zu anderen Ordensregeln kommt sie ohne Strafmaßnahmen aus. Sie ist gänzlich ausgerichtet auf eine persönliche und konsequente Nachfolge Jesu Christi im Geist des Evangeliums.

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