Die Grenze seiner Liebe ist, dass sie keine hat.
Thérèse von Lisieux (1873-1897)

Kloster in Bamberg

Karmeliten gibt es seit 1273 in Bamberg. Das erste Kloster befand sich in der Au. Ein zahlenmäßig kleiner Konvent führte dazu, dass Bischof Ernst von Mengersdorf 1585 die Eröffnung eines Priesterseminars im leerstehenden Teil des Karmelitenklosters in der Au ankündigen konnte. Bald nahm die Zahl der Ordensleute jedoch so zu, dass die Unterbringung von Karmelitenkloster und Priesterseminar unter einem Dach sich als problematisch erwies.

Umsiedlung

HinweistafelHinweistafel Am 17. März 1589 endlich wurde ein Tauschvertrag abgeschlossen: Die Karmeliten überlassen Kirche und Klostergebäude in der Au dem bischöflichen Seminar; dafür erhalten sie Kirche und Klostergebäude mit Gartenanteil in St. Theodor am Kaulberg. Auch hatte der Bischof dem Konvent der Karmeliten angeboten, vier Karmelitenkleriker kostenlos studieren und die Klostergebäude, die in sehr schlechtem Zustand waren, restaurieren zu lassen. Dieses ehemalige Frauenkloster stand seit 1554 leer. Bereits im Mai des Jahres 1589 kam die Genehmigung und amtliche Bestätigung des Vertrags durch die Ordenskurie und den Apostolischen Stuhl. Nach Eingang dieser höchsten und letzten Entscheidung haben die Karmeliten ihr Kloster in der Au verlassen.

Armut und Not kennzeichneten das Leben der Karmeliten unmittelbar nach der Umsiedlung auf den Kaulberg. Trotz vertraglicher Abmachung mit dem Bischof fehlten immer noch eine Sakristei, ein Bibliotheksraum, eine Sepultur, in der Kirche Kanzel und Orgel; Kreuzgang und Pforte waren sehr renovierungsbedürftig. Erst im Laufe der Zeit wurde hier Abhilfe geschaffen. Die größte Unterstützung bestand in der Übergabe des sogenannten Theodorischen Hofes 1636 durch Fürstbischof Franz von Hatzfeld.

Tourainer Reform und bauliche Veränderungen

Bald kam es jedoch zu einer Blütezeit, als die sog. Tourainer Reform, die im 17. Jahrhundert die Karmeliten des nördlichen Europas erfasste, auch im Bamberger Kloster eingeführt wurde. Im Zuge dieser Reformbewegung stieg die Durchschnittszahl der Konventualen von bisher 6 bis 7 jetzt auf 26 bis 27 Karmeliten an. Für den Ordensnachwuchs sorgte vor allem auch ein im Bamberger Kloster eingerichtetes Noviziat. Bis auf einige kurze Unterbrechungen blieb Bamberg bis zur Säkularisation der Noviziatskonvent für die Provinz.

Nach außen trat die Reform sehr bald durch echt mönchisches Auftreten der Karmeliten in Erscheinung, jedoch schlug sie sich auch in baulichen Veränderungen nieder. Am 9. März 1658 begann man mit dem Umbau der alten Zisterzienserinnenkirche. Mit der Absicht, den Bambergern den Zugang zur Kirche zu erleichtern, wagte man eine totale Umorientierung der Kirche mit einem neuen Eingangsbereich auf der Seite des Kaulbergs. Das bisherige Kirchenportal wurde kurzerhand zugemauert und ist noch heute als das älteste Kirchenportal in Bamberg zu bewundern (11./12. Jhd.). Die Barockisierung der Kirche zog sich ein halbes Jahrhundert hin und fand ihren Abschluss durch die Errichtung der östlichen Kirchenfassade (Johann Leonhard Dientzenhofer). 1707 endlich war die Kirche soweit fertig, dass sie konsekriert werden konnte. Gleichzeitig mit der Kirchenerneuerung wurden im Innern des Klosters Umbauten vorgenommen. Sie betrafen vor allem den Pfortenbereich, die Gastzimmer, den Kreuzgang (1667/68) und das Winterrefektorium (1682). Allgemeines Aufsehen hatte schon die Umgestaltung des 1593 errichteten Bibliothekbaus neben der Pforte erregt; 1675 und 1676 wurde er mit Heiligen des Karmelitenordens in schmalen Nischen und üppigen Fruchtbündeln unter den Renaissancefenstern neu gestaltet. Der Grundstein zu den einfach gehaltenen Längsbauten des Klosters im Osten und Süden wurde am 4. Mai 1692 gelegt. Auch die Kirchenseite erhielt ihren malerischen, in den Kreuzgarten vorspringenden und von zwei Altanen flankierten Giebelbau. Als Architekt war wiederum Johann Leonhard Dientzenhofer beteiligt. 1793 folgte der barocke Aufbau des Westflügels, dessen Entwurf u.a. auf Balthasar Neumann zurückgeht. Der Südtrakt des Klosters (Refektorium, Bibliotheksaula) wurde erst gegen Mitte des 18. Jahrhunderts vollendet. Mit der Säkularisation 1801/03 erlosch das Klosterleben am Kaulberg; Kirche und Kloster dienten jetzt ganz unterschiedlichen Zwecken (Kaserne, Schulhaus, Turnhalle, Konzertraum). Erst 1902 konnten die Karmeliten Kirche und Kloster von der Stadt Bamberg zurückerwerben. Beide waren jedoch in sehr schlechtem Zustand: In der Kirche lag eine hohe Schutthalde, über die hinweg man vom Kreuzgang in das Kirchenschiff hinabsteigen konnte. Im Kreuzgang hatte man auf zwei Seiten Säulen und Kapitelle herausgebrochen und verschleudert. Anfangs gab es keinen einzigen Raum im Kloster, in dem man übernachten konnte.

Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten fand am 16. Juli 1903 mit einer feierlichen Prozession, die von der Oberen Pfarre ausging, die offizielle Einführung der Karmeliten durch den Bamberger Erzbischof statt.

Das 20. Jahrhundert

Wechselhaft war die Geschichte auch nach diesem wichtigen Datum: Am 1. September 1918 eröffneten die Karmeliten das Knabenseminar Marianum und engagierten sich damit auf dem pädagogischen Sektor. In den Jahren der Arbeitslosigkeit vor 1933 war das Kloster besonders herausgefordert, christliche Nächstenliebe zu praktizieren. Nach einer Zeitungsnotiz vom 20. Mai 1932 baten täglich bis zu 100 Personen um ein Essen oder ein Stück Brot. Im Jahresdurchschnitt wurden an der Klosterpforte an die 30.000 Mahlzeiten ausgegeben.

Über die Zeit des Nationalsozialismus berichtet die Klosterchronik nicht viel; es war zu gefährlich Notizen zu machen, da sie in falsche Hände geraten konnten. 1941 wurde das Seminar Marianum von den Nazis geschlossen mit der Begründung: "Bei der Eigenart des klösterlichen Erziehungsbetriebes ist eine nationalsozialistische Gemeinschaftserziehung in klösterlichen Schülerheimen undurchführbar." Glücklicherweise konnten die Seminaristen des Marianums schnell bei Familien in der Stadt oder der näheren Umgebung untergebracht werden. Parallel mit der Zwangsschließung des Internats lief die Beschlagnahme des Klosters. Mit Schreiben vom 1. April 1941 wurden durch den Oberbürgermeister der Stadt Bamberg sämtliche Klosterräume beschlagnahmt. Ausgerechnet bis Mitte der Karwoche sollte das Kloster geräumt sein. Sämtliche Bemühungen, diesen Räumungsbefehl rückgängig zu machen, blieben erfolglos. P. Dr. Adalbert Deckert berichtet: "So blieb nichts anderes übrig, als mit der Räumung zu beginnen. Schon innerhalb von 24 Stunden war für jeden Pater und Bruder des Klosters ein Quartier ausgemacht, so bereitwillig haben die guten Bamberger ohne Unterschied von Kondition oder Konfession ihr Entgegenkommen gezeigt und bewiesen. Als die Leute der unmittelbaren Nachbarschaft an Knöcklein und Kaulberg, in der Sutte und in der Matern, von dem Schicksalsschlag hörten, der die Karmeliten getroffen hatte, nahm die Entrüstung des Volkes immer drohendere Formen an. Einige Patres brachten auf einem Handwagen ihre Habseligkeiten in Sicherheit, da standen die Leute wie bei einer Prozession am Weg. Nur waren ihre gemurmelten 'Lobsprüche' anderer Art wie bei Prozessionen. Zwischenhinein konnte man sehr laut und deutlich hören: 'Da sieht man, dass es gegen die Klöster und die Kirche geht!' Die Häcker des Kaulbergs drohten, mit ihren Mistgabeln gegen den Kreispropagandaleiter Bergner vorzugehen." (A. Deckert, 700 Jahre Karmeliten in Bamberg, S. 78). Die engagierte Stellungnahme der Bamberger Bevölkerung und die Intervention des damaligen Erzbischofs Dr. Jakobus von Hauck hatten Erfolg: der Räumungsbefehl für das Kloster wurde wieder aufgehoben.

Nach dem 2. Weltkrieg haben die Karmeliten mit der Bildung einer ganz besonderen Schule auf eine Zeitnot geantwortet. Man wollte Kriegsteilnehmern, die Priester werden wollten, zur Hochschulreife verhelfen. Daraus entwickelte sich das Spätberufenenwerk Theresianum, dem heute drei Schulen und ein kleineres Internat angehören. Junge Frauen und Männer, in der Regel mit Berufserfahrung, besuchen entweder das Spätberufenengymnasium Theresianum oder das Kolleg Theresianum oder das Erzbischöfliche Abendgymnasium. Im Dachgeschoss des Südtraktes im Kloster wurden in den letzten Jahren Zimmer für intern wohnende Schüler bereitgestellt. Dagegen wird das Gebäude am Treppenaufgang zum Theresianum (auch Brauereigebäude genannt), das seit 1976 als Internat diente, anderen Zwecken zugeführt. Eine relativ hohe Anzahl der Absolventen des Spätberufenenwerkes strebt kirchliche Berufe an. Bemerkenswert am Theresianum ist die Tatsache, dass die große Nachfrage eine Vergrößerung der Schulgebäude zwingend notwendig gemacht hat.

1991 wurde das Knabenseminar Marianum in ein Bildungshaus umgewandelt. Aus wirtschaftlichen Gründen hat die Provinzleitung Ende 2008 dieses Projekt aufgegeben. Zwei Stockwerke des früheren Marianum, der Westflügel des Klosters, wurden für Hotelzwecke umgewidmet. Das Kloster führt dieses Hotel nicht in eigener Regie. „Arkadenhotel im Kloster“ nennen die Pächter ihr Hotel garni, in dem sich Besucher der Bischofs- und Kaiserstadt Bamberg wohlfühlen können.

Zur Geschichte der Klosterkirche ist noch nachzutragen, dass sie in den Jahren 1981/82 eine prägende Innenrenovierung erfuhr. Damals wurde mit großem Gespür für den Kirchenraum die Altarzone neu gestaltet. Gesamtgestaltung mit Altarinsel, Altar und Ambo kommen aus der Hand von Friedrich Koller. Zur gleichen Zeit wurde auch die Grablege in der Unterkirche für verstorbene Mitglieder des Ordens neu errichtet. Augenblicklich steht wieder eine Sanierung und Renovierung der Kirche vom Dachstuhl bis zur Unterkirche mitsamt der Orgel an. Dieses Vorhaben bereitet große Sorgen. Gebe Gott, dass es gelingt, das Erbe vergangener Jahrhunderte gut in die Zukunft zu tragen.

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  • Leidenschaft für Gott

    Die Spiritualität der Karmeliten wird auch als „800 jähriger Kommentar zum Hohelied der Liebe“ bezeichnet:

    Hörprobe mit freundlicher Genehmigung des Gütersloher Verlagshauses aus:
    Ulrich Tukur (Hrsg.), Das Hohe Lied der Liebe
    Gebundenes Buch, Pappband, 76 Seiten, 19,8 × 25,0 cm
    Mit 37 Fotos, Audio-CD
    Gütersloher Verlagshaus 2009
    ISBN: 978-3-579-06478-9