Eine Weile nichts tun, nur absichtslos da sein,
heißt wach werden für die Sättigung Gottes.
Johannes vom Kreuz (1542-1592)

Provinzbibliothek

Von der Bibliotheca Carmelitana Moguntiacum zur Provinzbibliothek der Deutschen Provinz der Karmeliten

In der Mitte des 15. Jahrhunderts zählte die Klosterbibliothek des Karmeliterordens in Mainz mit 173 Bänden zu einer der größeren Bibliotheken. In diese Zeit fällt auch die Entstehung der reich illuminierten Mainzer Karmeliter-Chorbücher (heute im Dom- und Diözesanmuseum Mainz).

Die umfangreiche Buchsammlung fiel im frühen 19. Jahrhundert der Säkularisation zum Opfer. Einige Bestände gelangten in den Besitz des Bistums Mainz, der größte Teil ging an die Stadtbibliothek Mainz (vgl. Ottermann, Annelen: Die Mainzer Karmelitenbibliothek. 2., überarbeitete Aufl., Berlin: Logos, 2018).

Der Wiederaufbau der Ordensbibliothek erfolgte ab 1963 im Zusammenhang mit der Funktion des Mainzer Karmelitenklosters als Studienhaus für die verschiedenen deutschen Karmelprovinzen. Im Zuge der Fusionierung der Provinzen zu einer gemeinsamen Deutschen Provinz im Jahre 2013 wurde die Mainzer Klosterbibliothek als zentrale Provinzbibliothek bestimmt.

Heute betreut die Provinzbibliothek die Bibliotheken der Klosterniederlassungen der Karmeliten in ganz Deutschland und hat teilweise auch deren Bestände übernommen. Als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Katholisch-Theologischen Bibliotheken (AKThB) orientiert sie sich an deren Empfehlungen wie z. B. die Regeln der Altbestandskommission zum Umgang mit bibliothekarischem Altbestand.

In ihrer Funktion als wissenschaftliche Spezialbibliothek unterstützt die Provinzbibliothek die Ausbildung des Ordensnachwuchses. Ihre besondere Herausforderung besteht dabei in der Bewahrung und Vermittlung des kulturellen Erbe der über 700jährigen Tradition der Karmeliten in Deutschland sowie in der aktuellen Informationsaufbereitung.

Bestand
Die etwa 35.000 Medieneinheiten der Provinzbibliothek entstammen einem Zeitraum von 500 Jahren. Der thematische Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Theologie, Philosophie und den sog. Carmelitana, d. h. Literatur von und über Karmeliten weltweit. Neben deutsch- und fremdsprachlichen Grundlagenwerken befinden sich auch Raritäten wie Spezialeditionen und Erstausgaben im Bestand der Provinzbibliothek. Vor Ort stehen außerdem circa fünfzig in- und ausländische Zeitschriften dem Benutzer zur Verfügung. Stand November 2020 umfasst die Provinzbibliothek Bestände aus den Klosterbibliotheken Mainz, Bamberg, Straubing und Wegberg sowie aus Nachlässen von Ordensbrüdern.

Zugang
Die Nutzung der Provinzbibliothek vor Ort sowie die Buchausleihe erfolgt nach Absprache und Anmeldung zu den Öffnungszeiten des Karmeliterklosters Mainz.

OPAC
Die elektronische Erfassung der Bestände der Klosterbibliotheken Bamberg und Mainz erfolgt seit 2013 im OPAC des Bayerischen Bibliotheksverbunds. Sie können dort wie auch über den sog. Bamberger Katalog der Universitätsbibliothek Bamberg zeit- und ortsunabhängig recherchiert werden.

  • Johannes vom Kreuz

    Johannes vom Kreuz (1542-1591) ist einer der großen Meister karmelitanischer Spiritualität.

    In seinen Werken beschreibt er den Prozess der Einswerdung mit Gott als einen Weg des Loslassens, der durch die dunkle Nacht unserer Zweifel und Ängste, unserer Selbstbehauptung und Egozentrik hindurch zur göttlichen Liebe führt – sie ist Sinn, Ziel und Erfüllung unserer menschlichen Sehnsucht.

    Die dunkle Nacht

    In einer dunklen Nacht
    von Sehnsucht getrieben, in Brand gesteckt von Liebe,
    - o glückliche Fügung! -
    entfloh ich, ohne bemerkt zu werden,
    als schon das Haus um mich in Stille lag,

    im Dunkeln, sichren Fußes
    über die geheime Leiter, tief ins Gewand gemummt,
    - o glückliche Fügung! -
    im Dunkeln und wachsam angespannt,
    als schon das Haus um mich in Stille lag,

    in jener glückseligen Nacht,
    heimlich, daß mich niemand sah
    - auch ich selbst nahm nichts wahr -,
    ohn’ andres Licht, den Weg zu leuchten,
    als das nur, das im Herzen brannte;

    das führte mich
    sichrer als das Licht der Tagesmitte
    dorthin, wo mich erwartete,
    um den so tief ich weiß,
    dorthin, wo niemand uns belauerte.

    O Nacht, die du den Weg geleuchtet!
    O Nacht, liebenswerter als das Morgendämmern!
    O Nacht, die du zusammenbrachtest
    den Geliebten und die geliebte
    in den Geliebten umgestaltete Geliebte!

    An meiner Brust, aufgeblüht zu neuem Leben,
    die nur für ihn sich aufbewahrte,
    da ruht’ er schlafend,
    und ich liebkoste ihn,
    und Zedern fächelten ihm Wind.

    Der Wind von den Zinnen her
    - als zärtlich er sein Haar durchwehte -
    mit seiner sanften Hand
    streifte meinen Hals,
    und alle meine Sinne schwanden.

    Ich blieb und ich vergaß mich,
    das Antlitz neigt’ ich über den Geliebten,
    alles um mich verlosch, ich ließ mich los,
    ließ los meine Sorgen,
    zwischen den Lilien war es vergessen.

    ( Johannes vom Kreuz)

    Übersetzung: Reinhard Körner