Eine Weile nichts tun, nur absichtslos da sein,
heißt wach werden für die Sättigung Gottes.
Johannes vom Kreuz (1542-1592)

Kursprogramm

Karmelitanische Schweige-Exerzitien: „Auf dem Weg zu Gerechtigkeit, Frieden und Heilung der Schöpfung"

Wenn wir in all den Corona-bedingten Nöten für einen Augenblick zur inneren Ruhe kommen, können wir leicht erschrecken über den weitgehend heillosen Zustand unserer Mitwelt. Noch dazu schlägt sich dies oft in einer inneren Unordnung in uns selbst nieder. In diesen Exerzitien geht es darum, sich Gottes Geist selbst auszusetzen und  dabei in die große ökumenische Lernbewegung für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung (Heilung) der Schöpfung einzutauchen. 

Im Rückgriff auf die Karmel-Heiligen und an der Hand von Jesus, dem Christus, wollen wir einen geistlichen Weg einschlagen, der Wege und Weite dessen hervorzubringen vermag, was gerechtem Frieden in einer integren Schöpfung dient, wie ihn die Herzen so sehr ersehnen. Erst als geistlich Freigesetzte mag es uns gelingen, einen Unterschied zu machen; dazu vermitteln die Tage Anregungen und Wegmarken zur Beziehungs-Gestaltung mit Gott, mit sich selbst und untereinander.

Das Schweigen, Hören und persönliche Antworten heranbilden wird begleitet von Morgenmeditation, Impulsvorträgen, Abendgebet, Mitfeier der Eucharistie, einer Wortgottesfeier und der Möglichkeit zum Einzelgespräch.

Der Referent hat die Exerzitienleiterausbildung bei P. Reinhard Körner OCD absolviert und ist engagiert in der ökumenischen Friedensarbeit bei Kairos Europa und Pax Christi.
 
Mindestteilnehmerzahl: 8 Personen

Begleitung: Lic. Theol. Peter Schönhöffer
Datum: Mo. 11. Oktober 2021 18:00 Uhr - Fr. 15. Oktober 2021 09:00 Uhr
Kosten: Kurs 100,00 € / Pension 227,00 €

  • Johannes vom Kreuz

    Johannes vom Kreuz (1542-1591) ist einer der großen Meister karmelitanischer Spiritualität.

    In seinen Werken beschreibt er den Prozess der Einswerdung mit Gott als einen Weg des Loslassens, der durch die dunkle Nacht unserer Zweifel und Ängste, unserer Selbstbehauptung und Egozentrik hindurch zur göttlichen Liebe führt – sie ist Sinn, Ziel und Erfüllung unserer menschlichen Sehnsucht.

    Die dunkle Nacht

    In einer dunklen Nacht
    von Sehnsucht getrieben, in Brand gesteckt von Liebe,
    - o glückliche Fügung! -
    entfloh ich, ohne bemerkt zu werden,
    als schon das Haus um mich in Stille lag,

    im Dunkeln, sichren Fußes
    über die geheime Leiter, tief ins Gewand gemummt,
    - o glückliche Fügung! -
    im Dunkeln und wachsam angespannt,
    als schon das Haus um mich in Stille lag,

    in jener glückseligen Nacht,
    heimlich, daß mich niemand sah
    - auch ich selbst nahm nichts wahr -,
    ohn’ andres Licht, den Weg zu leuchten,
    als das nur, das im Herzen brannte;

    das führte mich
    sichrer als das Licht der Tagesmitte
    dorthin, wo mich erwartete,
    um den so tief ich weiß,
    dorthin, wo niemand uns belauerte.

    O Nacht, die du den Weg geleuchtet!
    O Nacht, liebenswerter als das Morgendämmern!
    O Nacht, die du zusammenbrachtest
    den Geliebten und die geliebte
    in den Geliebten umgestaltete Geliebte!

    An meiner Brust, aufgeblüht zu neuem Leben,
    die nur für ihn sich aufbewahrte,
    da ruht’ er schlafend,
    und ich liebkoste ihn,
    und Zedern fächelten ihm Wind.

    Der Wind von den Zinnen her
    - als zärtlich er sein Haar durchwehte -
    mit seiner sanften Hand
    streifte meinen Hals,
    und alle meine Sinne schwanden.

    Ich blieb und ich vergaß mich,
    das Antlitz neigt’ ich über den Geliebten,
    alles um mich verlosch, ich ließ mich los,
    ließ los meine Sorgen,
    zwischen den Lilien war es vergessen.

    ( Johannes vom Kreuz)

    Übersetzung: Reinhard Körner