Eine Weile nichts tun, nur absichtslos da sein,
heißt wach werden für die Sättigung Gottes.
Johannes vom Kreuz (1542-1592)

Kursprogramm

„Wenn du fastest, gele dein Haar und wasche dein Gesicht“ (Mt 6,17) - NeuBeginn Fastenzeit mit Jesu Witz, Humor und Ironie.

„Aschermittwoch“ – merkliche Zäsur zwischen ausgelassenem Karneval / Fastnacht / Fasching und Fastenzeit. Moment der Besinnung ja! – auch „säkular“ („Aschermittwoch der Künstler“ etc.). „Österliche Bußzeit“ und „Frohe Botschaft“ mit Humor passen nicht recht zusammen, oder? Gilt da nicht eher Jesu Wort: „Wehe euch, die ihr jetzt lacht!“ (Lk 6,25)?

Flucht vor immer primitiveren karnevalistischen Übertreibungen und immer dümmlicheren „Comedians“ scheint angebracht! Doch neben abgestandenen Sitzungswitzen stehen durchaus gelungene Fernsehhochämter regionalen Humors. Wirklich gute Satire verletzt und vernichtet nicht, sondern spottet geistreich über Missstände. Sie verleitet zu befreiendem Lachen, zielt auf Einsicht, Besserung und „Selbsterkenntnis“ gerade derer, die gerne über andere lachen, aber weniger über sich selbst! Schon der römische Dichter Horaz wusste: „Was verbietet es, lachend die Wahrheit zu sagen?“ Sogar Heilige wie Philipp Neri, Thomas Morus, Teresa von Avila und auch Edith Stein (beides Karmelitinnen) sind bekannt für ihren Humor.

Witz, Humor und Ironie im Munde Jesu selbst? Ja sogar Satire!? Leicht wird das übersehen, oder besser überhört, zumal uns seine Worte nur schriftlich und griechisch übersetzt vorliegen. Und weil solche Töne oft eines „Erlösers“ nicht angemessen erscheinen und in gehobenem „Kirchisch“ (Reinhard Körner) vorgetragen untergehen! Dabei treffen seine Hinweise zum Fasten (siehe Überschrift!), seine nicht-dogmatischen, die fanatisch-pingelige Sprache religiöser Eiferer karikierenden Übertreibungen genau diesen Ton: „Splitter“ im fremden, jedoch „Balken“ im eigenen Auge (Mt 7,4-5 / Lk 6,41-42); „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr“ (Mk 10,25); „Die Haare auf eurem Haupt sind alle gezählt“ (Mt 10,30 / Lk 12,7). Auch die leider verbreitete, dogmatisch-absolute Fehlinterpretation seiner „Gehenna“-Worte von Hölle, Wurm und Feuer, vom „Heulen und Zähneknirschen“, benötigt ein Zurecht-Rücken, um ihre ursprüngliche Absicht, Tonlage und Färbung zu verstehen!

Dieser Kurs lädt ein, dem feinen Humor Jesu, aber auch seiner durchaus satirischen und deftigen Entlarvung pharisäisch-frommen Getues auf die Spur zu kommen. Zugunsten geerdeter, überzeugender, „boden-ständiger“ Glaubens- und Lebenseinstellungen. Wie jeder gute Humor (nach Martin Buber „Bruder des Glaubens“) zielt er auf Besinnung und Umkehr – durchaus ein bewusstes Innehalten im eigenen Alltag und Leben, das guttut. Ziel allen (jedenfalls „christlichen“) Fastens ist eine gute Vorbereitung auf Ostern – mit seinem umstürzenden, befreienden Ostergelächter („risus paschalis“). Elemente des Schweigens, bewusste Feier von Liturgie und Stundengebet, achtsames Essen, Impulse und Austausch in der Teilnehmergruppe (mit Möglichkeit zu Einzelgesprächen), eventuell kleine Wanderungen (bitte Schuhwerk & Wanderkleidung mitbringen) prägen diese Tage.

Bitte reisen Sie nach Möglichkeit stressarm bis spätestens 17:00 Uhr an! Am Aschermittwoch ist es möglich, einen „Wortgottesdienst“ mit Auflegung des Aschenkreuzes mitzufeiern.

Begleitung: P. Felix M. Schandl O.Carm.
Datum: Fr. 25. Februar 2022 18:00 Uhr - Mi. 2. März 2022 13:00 Uhr
Kosten: Kurs 125,00 € / Pension 306,00 €

  • Johannes vom Kreuz

    Johannes vom Kreuz (1542-1591) ist einer der großen Meister karmelitanischer Spiritualität.

    In seinen Werken beschreibt er den Prozess der Einswerdung mit Gott als einen Weg des Loslassens, der durch die dunkle Nacht unserer Zweifel und Ängste, unserer Selbstbehauptung und Egozentrik hindurch zur göttlichen Liebe führt – sie ist Sinn, Ziel und Erfüllung unserer menschlichen Sehnsucht.

    Die dunkle Nacht

    In einer dunklen Nacht
    von Sehnsucht getrieben, in Brand gesteckt von Liebe,
    - o glückliche Fügung! -
    entfloh ich, ohne bemerkt zu werden,
    als schon das Haus um mich in Stille lag,

    im Dunkeln, sichren Fußes
    über die geheime Leiter, tief ins Gewand gemummt,
    - o glückliche Fügung! -
    im Dunkeln und wachsam angespannt,
    als schon das Haus um mich in Stille lag,

    in jener glückseligen Nacht,
    heimlich, daß mich niemand sah
    - auch ich selbst nahm nichts wahr -,
    ohn’ andres Licht, den Weg zu leuchten,
    als das nur, das im Herzen brannte;

    das führte mich
    sichrer als das Licht der Tagesmitte
    dorthin, wo mich erwartete,
    um den so tief ich weiß,
    dorthin, wo niemand uns belauerte.

    O Nacht, die du den Weg geleuchtet!
    O Nacht, liebenswerter als das Morgendämmern!
    O Nacht, die du zusammenbrachtest
    den Geliebten und die geliebte
    in den Geliebten umgestaltete Geliebte!

    An meiner Brust, aufgeblüht zu neuem Leben,
    die nur für ihn sich aufbewahrte,
    da ruht’ er schlafend,
    und ich liebkoste ihn,
    und Zedern fächelten ihm Wind.

    Der Wind von den Zinnen her
    - als zärtlich er sein Haar durchwehte -
    mit seiner sanften Hand
    streifte meinen Hals,
    und alle meine Sinne schwanden.

    Ich blieb und ich vergaß mich,
    das Antlitz neigt’ ich über den Geliebten,
    alles um mich verlosch, ich ließ mich los,
    ließ los meine Sorgen,
    zwischen den Lilien war es vergessen.

    ( Johannes vom Kreuz)

    Übersetzung: Reinhard Körner