Eine Weile nichts tun, nur absichtslos da sein,
heißt wach werden für die Sättigung Gottes.
Johannes vom Kreuz (1542-1592)

Kursprogramm

„Aufstieg zum Berge Karmel“ - „Schnupperkurs“ geistlicher Weg-Erfahrungen!

Wochenend-Auszeit für eigene geistliche Weg-Erfahrungen gesucht? Dann bist Du/sind Sie hier an einem passenden Ort! Entdecken und klarer werden über das, was mich in meinem Leben bewegt – und was den Weg des Karmel (und seiner Brüder und Schwestern) ausmacht.

Die Spiritualität des Karmel gehört – anders als etwa die ignatianische – zu unbekannterem „Gelände“. Der Orden der Karmeliten entstand im frühen 13. Jahrhundert – im Heiligen Land und ohne bekannte Gründerpersönlichkeit. Die kurze Ordensregel wurde „extern“ von außen, aber sehr einfühlend gegeben. Die Bibel steht im Zentrum, und so auch Maria und der Prophet Elija. Erst die Ordensreform der Heiligen Teresa von Avila bringt dann bekanntere Persönlichkeiten hervor: Johannes vom Kreuz, Therese von Lisieux, Edith Stein und andere.

In ruhiger und achtsamer Atmosphäre ergeben sich Räume und Gelegenheiten zu Klärung, Einübung und Austausch. Gebet & Impulse, eine kurze Wanderung, bewusste Mahlzeiten, Zeit für sich, Phasen des Schweigens, die Eucharistiefeier am Sonntagmorgen ergänzen dies.

Begleitung: P. Felix M. Schandl O.Carm.
Datum: Fr. 17. Juni 2022 18:00 Uhr - So. 19. Juni 2022 13:00 Uhr
Kosten: Kurs 50,00 € / Pension 120,00 €

  • Johannes vom Kreuz

    Johannes vom Kreuz (1542-1591) ist einer der großen Meister karmelitanischer Spiritualität.

    In seinen Werken beschreibt er den Prozess der Einswerdung mit Gott als einen Weg des Loslassens, der durch die dunkle Nacht unserer Zweifel und Ängste, unserer Selbstbehauptung und Egozentrik hindurch zur göttlichen Liebe führt – sie ist Sinn, Ziel und Erfüllung unserer menschlichen Sehnsucht.

    Die dunkle Nacht

    In einer dunklen Nacht
    von Sehnsucht getrieben, in Brand gesteckt von Liebe,
    - o glückliche Fügung! -
    entfloh ich, ohne bemerkt zu werden,
    als schon das Haus um mich in Stille lag,

    im Dunkeln, sichren Fußes
    über die geheime Leiter, tief ins Gewand gemummt,
    - o glückliche Fügung! -
    im Dunkeln und wachsam angespannt,
    als schon das Haus um mich in Stille lag,

    in jener glückseligen Nacht,
    heimlich, daß mich niemand sah
    - auch ich selbst nahm nichts wahr -,
    ohn’ andres Licht, den Weg zu leuchten,
    als das nur, das im Herzen brannte;

    das führte mich
    sichrer als das Licht der Tagesmitte
    dorthin, wo mich erwartete,
    um den so tief ich weiß,
    dorthin, wo niemand uns belauerte.

    O Nacht, die du den Weg geleuchtet!
    O Nacht, liebenswerter als das Morgendämmern!
    O Nacht, die du zusammenbrachtest
    den Geliebten und die geliebte
    in den Geliebten umgestaltete Geliebte!

    An meiner Brust, aufgeblüht zu neuem Leben,
    die nur für ihn sich aufbewahrte,
    da ruht’ er schlafend,
    und ich liebkoste ihn,
    und Zedern fächelten ihm Wind.

    Der Wind von den Zinnen her
    - als zärtlich er sein Haar durchwehte -
    mit seiner sanften Hand
    streifte meinen Hals,
    und alle meine Sinne schwanden.

    Ich blieb und ich vergaß mich,
    das Antlitz neigt’ ich über den Geliebten,
    alles um mich verlosch, ich ließ mich los,
    ließ los meine Sorgen,
    zwischen den Lilien war es vergessen.

    ( Johannes vom Kreuz)

    Übersetzung: Reinhard Körner