Eine Weile nichts tun, nur absichtslos da sein,
heißt wach werden für die Sättigung Gottes.
Johannes vom Kreuz (1542-1592)

Kursprogramm

Judentum: "Die ersten Tafeln der heiligen Gesetze sind zerbrochen..." (Jacques Derrida)

Jüdische Religion und Kultur bilden aus drei Jahrtausenden einen immens schöpferischen Beitrag zu den bleibenden Errungenschaften der Geistesgeschichte der Menschheit. Jüdische Geschichte und Lebensgestaltung bieten ein breites Spektrum sich fortwährend unterschiedlich entwickelnder Ausdrucksformen. Verständnis des Judentums bedingt das Wissen um die grundlegenden Faktoren der Entstehung der europäischen Kultur. Diese ist in einem Lebensprozess eingebunden: "von 'Kain' und 'Abel' bis zu Adolf Hitler und Johannes XXIII, vom ersten Tonbildner bis Picasso, vom Menschen der Steinzeit bis Einstein" (Friedrich Heer 1967).

Themen des Intensivseminars:
1 Zur Frage jüdischer Identität
2 Geschichte und Schicksal
3 Multikulturelle Lebensgemeinschaft
4 Tradition und Reformbewegungen
5 Antijudaismus
6 "Glühende Asche": Dichtung aus Exil und Shoah

Literaturliste und Texte werden vor Ort ausgehändigt.

Begleitung: Frau Dr. phil. Dipl.-Theol. Hortense Anwari-Reintjens
Datum: Fr. 30. September 2022 18:00 Uhr - Di. 4. Oktober 2022 09:00 Uhr
Kosten: Kurs 100,00 € / Pension 231,00 €

  • Johannes vom Kreuz

    Johannes vom Kreuz (1542-1591) ist einer der großen Meister karmelitanischer Spiritualität.

    In seinen Werken beschreibt er den Prozess der Einswerdung mit Gott als einen Weg des Loslassens, der durch die dunkle Nacht unserer Zweifel und Ängste, unserer Selbstbehauptung und Egozentrik hindurch zur göttlichen Liebe führt – sie ist Sinn, Ziel und Erfüllung unserer menschlichen Sehnsucht.

    Die dunkle Nacht

    In einer dunklen Nacht
    von Sehnsucht getrieben, in Brand gesteckt von Liebe,
    - o glückliche Fügung! -
    entfloh ich, ohne bemerkt zu werden,
    als schon das Haus um mich in Stille lag,

    im Dunkeln, sichren Fußes
    über die geheime Leiter, tief ins Gewand gemummt,
    - o glückliche Fügung! -
    im Dunkeln und wachsam angespannt,
    als schon das Haus um mich in Stille lag,

    in jener glückseligen Nacht,
    heimlich, daß mich niemand sah
    - auch ich selbst nahm nichts wahr -,
    ohn’ andres Licht, den Weg zu leuchten,
    als das nur, das im Herzen brannte;

    das führte mich
    sichrer als das Licht der Tagesmitte
    dorthin, wo mich erwartete,
    um den so tief ich weiß,
    dorthin, wo niemand uns belauerte.

    O Nacht, die du den Weg geleuchtet!
    O Nacht, liebenswerter als das Morgendämmern!
    O Nacht, die du zusammenbrachtest
    den Geliebten und die geliebte
    in den Geliebten umgestaltete Geliebte!

    An meiner Brust, aufgeblüht zu neuem Leben,
    die nur für ihn sich aufbewahrte,
    da ruht’ er schlafend,
    und ich liebkoste ihn,
    und Zedern fächelten ihm Wind.

    Der Wind von den Zinnen her
    - als zärtlich er sein Haar durchwehte -
    mit seiner sanften Hand
    streifte meinen Hals,
    und alle meine Sinne schwanden.

    Ich blieb und ich vergaß mich,
    das Antlitz neigt’ ich über den Geliebten,
    alles um mich verlosch, ich ließ mich los,
    ließ los meine Sorgen,
    zwischen den Lilien war es vergessen.

    ( Johannes vom Kreuz)

    Übersetzung: Reinhard Körner