Eine Weile nichts tun, nur absichtslos da sein,
heißt wach werden für die Sättigung Gottes.
Johannes vom Kreuz (1542-1592)

Kursprogramm

„Wenn du fastest, gele dein Haar und wasche dein Gesicht“ (Mt 6,17) - Fastenzeit mit Jesu Witz, Humor und Ironie.

Witz, Humor und Ironie im Munde Jesu selbst? Ja sogar Satire!? Leicht wird das übersehen, oder besser überhört, zumal uns seine Worte nur schriftlich und griechisch übersetzt vorliegen. Und weil solche Töne oft eines „Erlösers“ nicht angemessen erscheinen und in gehobenem „Kirchisch“ (Reinhard Körner) vorgetragen untergehen! Dabei treffen seine Hinweise zum Fasten (siehe Überschrift!), seine nicht-dogmatischen, die fanatisch-pingelige Sprache religiöser Eiferer karikierenden Übertreibungen genau diesen Ton: „Splitter“ im fremden, jedoch „Balken“ im eigenen Auge (Mt 7,4-5 / Lk 6,41-42); „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr“ (Mk 10,25); „Die Haare auf eurem Haupt sind alle gezählt“ (Mt 10,30 / Lk 12,7). Auch die leider verbreitete, dogmatisch-absolute Fehlinterpretation seiner „Gehenna“-Worte von Hölle, Wurm und Feuer, vom „Heulen und Zähneknirschen“, benötigt ein Zurecht-Rücken, um ihre ursprüngliche Absicht, Tonlage und Färbung zu verstehen!

Seminar ohne Kaffee und Kuchen!

Begleitung: P. Felix M. Schandl O.Carm.
Datum: So. 19. März 2023 18:00 Uhr - Fr. 24. März 2023 09:00 Uhr
Kosten: Kurs 125,00 € / Pension 342,00 €

  • Johannes vom Kreuz

    Johannes vom Kreuz (1542-1591) ist einer der großen Meister karmelitanischer Spiritualität.

    In seinen Werken beschreibt er den Prozess der Einswerdung mit Gott als einen Weg des Loslassens, der durch die dunkle Nacht unserer Zweifel und Ängste, unserer Selbstbehauptung und Egozentrik hindurch zur göttlichen Liebe führt – sie ist Sinn, Ziel und Erfüllung unserer menschlichen Sehnsucht.

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    Die dunkle Nacht

    In einer dunklen Nacht
    von Sehnsucht getrieben, in Brand gesteckt von Liebe,
    - o glückliche Fügung! -
    entfloh ich, ohne bemerkt zu werden,
    als schon das Haus um mich in Stille lag,

    im Dunkeln, sichren Fußes
    über die geheime Leiter, tief ins Gewand gemummt,
    - o glückliche Fügung! -
    im Dunkeln und wachsam angespannt,
    als schon das Haus um mich in Stille lag,

    in jener glückseligen Nacht,
    heimlich, daß mich niemand sah
    - auch ich selbst nahm nichts wahr -,
    ohn’ andres Licht, den Weg zu leuchten,
    als das nur, das im Herzen brannte;

    das führte mich
    sichrer als das Licht der Tagesmitte
    dorthin, wo mich erwartete,
    um den so tief ich weiß,
    dorthin, wo niemand uns belauerte.

    O Nacht, die du den Weg geleuchtet!
    O Nacht, liebenswerter als das Morgendämmern!
    O Nacht, die du zusammenbrachtest
    den Geliebten und die geliebte
    in den Geliebten umgestaltete Geliebte!

    An meiner Brust, aufgeblüht zu neuem Leben,
    die nur für ihn sich aufbewahrte,
    da ruht’ er schlafend,
    und ich liebkoste ihn,
    und Zedern fächelten ihm Wind.

    Der Wind von den Zinnen her
    - als zärtlich er sein Haar durchwehte -
    mit seiner sanften Hand
    streifte meinen Hals,
    und alle meine Sinne schwanden.

    Ich blieb und ich vergaß mich,
    das Antlitz neigt’ ich über den Geliebten,
    alles um mich verlosch, ich ließ mich los,
    ließ los meine Sorgen,
    zwischen den Lilien war es vergessen.

    ( Johannes vom Kreuz)

    Übersetzung: Reinhard Körner