Eine Weile nichts tun, nur absichtslos da sein,
heißt wach werden für die Sättigung Gottes.
Johannes vom Kreuz (1542-1592)

Kursprogramm

Exerzitien in der Spiritualität des Karmel und seiner Gestalten

„Ich brachte Euch dann in das Gartenland (Karmel), um euch seine Güter und Früchte genießen zu lassen“ (Jeremia 2,7)

Eine Woche Auszeit nehmen und sich auf eine geistliche Reise in das Land des Karmel begeben? Da gibt es manches zu entdecken – auch für das eigene Leben, den eigenen Alltag, für manche Fragen und Themen im eigenen Leben und aktuell zur Zeit.

Die Spiritualität des Karmel gehört – anders als etwa die ignatianische – zu unbekannterem „Gelände“. Die Eremiten-Gemeinschaft der Karmeliten entstand im frühen 13. Jahrhundert – im Heiligen Land und ohne bekannte Gründerpersönlichkeit. Der kurze Bestätigungsbrief des Patriarchen Albert von Jerusalem wird zur Ordensregel: „extern“ von außen gegeben, aber sehr einfühlend und ohne „Kleingedrucktes“. Die Bibel steht im Zentrum, und so auch Maria (im Sinnbild der betenden Jerusalemer Urgemeinde Apg 1,14) und der Prophet Elija (1 Kön 17-19) mit seinem „Leitspruch“: „Gott lebt, und ich vor ihm“. Die von persönlichen Erfahrungen der „Freundschaft mit Gott“ und des „inneren Betens“ geprägte Ordensreform der heiligen Teresa von Avila bringt weitere bekanntere Persönlichkeiten hervor: Johannes vom Kreuz, Therese von Lisieux, Edith Stein und andere. Geistliche Einübungen und – derzeit aktuell und brisant – das Thema der „Geistlichen Waffenrüstung“ (vgl. Eph 6,10-18), auch „Arbeit und Schweigen“ runden diese Tage ab.

Diese Woche bietet Raum, sich selber intensiver zu erfahren im Blick auf die biblisch geprägte geistliche „Landschaft“ des Karmel. In ruhiger und achtsamer Atmosphäre ergeben sich Gelegenheiten zu Klärungen, Einübungen und Austausch. Morgenimpulse und kurze Gebetszeiten, Phasen des Schweigens, die Feier der Eucharistie und achtsame Mahlzeiten ergänzen dies. Individuelle Begleitgespräche können vereinbart werden. Um etwas vom „Aufstieg zum Berge Karmel“ auch leiblich zu erfahren, können auch kürzere Wanderungen in der naturnahen Umgebung vereinbart werden (bitte Wanderschuhe und -ausrüstung mitbringen).

In Zusammenarbeit mit: www.geistlichleben.de

Begleitung: P. Felix M. Schandl O.Carm, Springiersbach
Datum: So. 24. Oktober 2021 18:00 Uhr - Fr. 29. Oktober 2021 09:00 Uhr
Kosten: Kurs 125,00 € / Pension 288,00 €

  • Johannes vom Kreuz

    Johannes vom Kreuz (1542-1591) ist einer der großen Meister karmelitanischer Spiritualität.

    In seinen Werken beschreibt er den Prozess der Einswerdung mit Gott als einen Weg des Loslassens, der durch die dunkle Nacht unserer Zweifel und Ängste, unserer Selbstbehauptung und Egozentrik hindurch zur göttlichen Liebe führt – sie ist Sinn, Ziel und Erfüllung unserer menschlichen Sehnsucht.

    Die dunkle Nacht

    In einer dunklen Nacht
    von Sehnsucht getrieben, in Brand gesteckt von Liebe,
    - o glückliche Fügung! -
    entfloh ich, ohne bemerkt zu werden,
    als schon das Haus um mich in Stille lag,

    im Dunkeln, sichren Fußes
    über die geheime Leiter, tief ins Gewand gemummt,
    - o glückliche Fügung! -
    im Dunkeln und wachsam angespannt,
    als schon das Haus um mich in Stille lag,

    in jener glückseligen Nacht,
    heimlich, daß mich niemand sah
    - auch ich selbst nahm nichts wahr -,
    ohn’ andres Licht, den Weg zu leuchten,
    als das nur, das im Herzen brannte;

    das führte mich
    sichrer als das Licht der Tagesmitte
    dorthin, wo mich erwartete,
    um den so tief ich weiß,
    dorthin, wo niemand uns belauerte.

    O Nacht, die du den Weg geleuchtet!
    O Nacht, liebenswerter als das Morgendämmern!
    O Nacht, die du zusammenbrachtest
    den Geliebten und die geliebte
    in den Geliebten umgestaltete Geliebte!

    An meiner Brust, aufgeblüht zu neuem Leben,
    die nur für ihn sich aufbewahrte,
    da ruht’ er schlafend,
    und ich liebkoste ihn,
    und Zedern fächelten ihm Wind.

    Der Wind von den Zinnen her
    - als zärtlich er sein Haar durchwehte -
    mit seiner sanften Hand
    streifte meinen Hals,
    und alle meine Sinne schwanden.

    Ich blieb und ich vergaß mich,
    das Antlitz neigt’ ich über den Geliebten,
    alles um mich verlosch, ich ließ mich los,
    ließ los meine Sorgen,
    zwischen den Lilien war es vergessen.

    ( Johannes vom Kreuz)

    Übersetzung: Reinhard Körner